15 Sep. Weihnachtsfeier: Ja oder nein?
Wenn ja: Was soll danach in Ihrem Unternehmen möglich sein, das heute noch nicht möglich ist?
Im September beginnt in vielen Unternehmen dieselbe Diskussion: Gibt es in diesem Jahr eine Weihnachtsfeier? Und wenn ja, für wen, in welchem Rahmen und mit welchem Budget?
Das sind berechtigte Fragen. Eine gemeinsame Veranstaltung kostet Zeit, Geld und Aufmerksamkeit. Gleichzeitig ist persönliche Begegnung für viele Teams seltener geworden.
Die entscheidende Frage stellt sich jedoch nicht nur vor dem Abend. Sie stellt sich danach: Was bleibt?
Was bleibt von der gemeinsamen Zeit, wenn der Arbeitsalltag wieder da ist? Entsteht ein Gespräch, das sonst nicht zustande gekommen wäre? Kennen sich Menschen danach besser? Fällt eine Entscheidung leichter, weil zwei Kolleginnen oder Kollegen nun einen persönlichen Bezug zueinander haben?
Deshalb lohnt sich vor jeder Detailplanung eine weitere Frage: Was soll durch diesen Abend möglich werden, das im Arbeitsalltag bisher nicht gelingt?
Eine Weihnachtsfeier muss kein Projekt zur Organisationsentwicklung sein. Ein guter Abend und aufrichtige Anerkennung haben ihren eigenen Wert. Wenn ein Unternehmen jedoch viele Menschen zusammenbringt, kann daraus mehr entstehen als ein Termin im Kalender. Menschen können einander jenseits von Rollen und Zuständigkeiten begegnen. Führungskräfte können nicht nur sprechen, sondern auch zuhören. Kolleginnen und Kollegen können ins Gespräch kommen, die im Alltag kaum Berührung haben.
Eine Absage sagt nicht alles
Im Februar saß ich einer Personalleiterin gegenüber. Sie erzählte, dass ihr Unternehmen die Weihnachtsfeier gestrichen hatte. Das Unternehmen sparte einen vierstelligen Betrag. Eine Nachfrage aus der Belegschaft gab es nicht.
Ich fragte, was stattdessen passiert sei.
Sie überlegte kurz und sagte: „Nichts. Aber vermisst hat es auch niemand.“
Diese Antwort war ehrlich. Sie erzählt weniger über die Absage als über die Jahre davor. Wenn ein Termin ohne jede Reaktion wegfallen kann, war er möglicherweise schon vorher kein Ort, an dem etwas entschieden, geklärt oder spürbar wurde.
In einer repräsentativen Befragung gaben 41 Prozent der Beschäftigten an, dass es 2025 keine Weihnachtsfeier gab. 43 Prozent sagten zudem, solche Feiern spielten für sie kaum eine Rolle. Zugleich kostet ein Platz auf einer Weihnachtsfeier laut MICE Report 2026 im Durchschnitt 144 Euro pro Person.
Diese Zahlen erklären, warum Verantwortliche genau hinschauen. Sie beantworten jedoch nicht, ob eine Feier sinnvoll ist. Ihr Wert entsteht nicht durch Menü, Musik oder Location. Er entsteht dadurch, was Menschen dort erleben und was sie in ihren Arbeitsalltag mitnehmen.
Identifikation braucht Erfahrung
Mitarbeitende identifizieren sich nicht stärker mit ihrem Unternehmen, weil es eine Weihnachtsfeier veranstaltet. Sie tun es, wenn sie erleben: Ich gehöre hierher. Mein Beitrag wird gesehen. Und das, woran wir gemeinsam arbeiten, hat Bedeutung.
Dafür braucht es keine große Inszenierung. Es braucht einen Abend, der glaubwürdig zeigt, wie das Unternehmen auf seine Menschen schaut.
Ein pauschales Dankeschön der Geschäftsführung kann dazugehören. Stärker wird es, wenn sichtbar wird, was Teams im vergangenen Jahr konkret geleistet haben. Gerade die Menschen und Beiträge, die im Alltag zuverlässig tragen, aber selten im Mittelpunkt stehen, sollten vorkommen.
Auch die Geschichte des Jahres kann Identifikation fördern. Nicht als Hochglanzrückblick, sondern als ehrlicher Blick auf das, was gemeinsam gelungen und schwierig war. Welche Herausforderung wurde bewältigt? Wo haben Menschen Verantwortung übernommen? Was haben Teams füreinander möglich gemacht?
Wichtig ist, dass diese Geschichte nicht ausschließlich von oben erzählt wird. Wenn Mitarbeitende ihre Perspektiven einbringen, wenn Kolleginnen und Kollegen einander würdigen und wenn Führungskräfte aufmerksam zuhören, wird aus Unternehmenskommunikation eine gemeinsame Erfahrung.
Eine Weihnachtsfeier kann Mitarbeitenden helfen, sich stärker mit ihrem Unternehmen zu identifizieren. Das gelingt, wenn sie Zugehörigkeit und Anerkennung erleben und Führungskräften begegnen, die authentisch und ansprechbar sind. So kann der Abend emotionale Bindung stärken, vorausgesetzt, diese Erfahrung wird im Arbeitsalltag fortgesetzt.
Drei Fragen für die Planung
Bevor Sie über Location, Menü oder Programm entscheiden, lohnt sich eine kurze Klärung im Planungsteam.
- Womit sollen sich Mitarbeitende nach diesem Abend stärker identifizieren?
Mit einer gemeinsamen Leistung? Mit einer Haltung? Mit einem Ziel für das kommende Jahr? Oder miteinander?
Diese Antwort gibt dem Abend eine Richtung. Sie hilft, aus einzelnen Programmpunkten einen Rahmen zu machen, in dem Menschen ihren eigenen Platz im Unternehmen erkennen können.
- Welche Menschen sollen miteinander ins Gespräch kommen?
Nicht jedes gute Gespräch lässt sich planen. Der Rahmen kann es jedoch leichter machen.
Vielleicht sollen neue Mitarbeitende und langjährige Kolleginnen und Kollegen einander besser kennenlernen. Vielleicht brauchen zwei Bereiche, die im nächsten Jahr enger zusammenarbeiten, eine andere Art von Begegnung. Vielleicht sollte die Geschäftsführung Zeit für echte Gespräche haben, statt nur ein Grußwort zu halten.
- Woran merken wir im Februar, dass die Feier sinnvoll war?
Gute Stimmung am Abend ist schön. Sie reicht als Maßstab jedoch nicht aus.
Fragen Sie einige Wochen später: Welches Gespräch hat stattgefunden, das sonst nicht zustande gekommen wäre? Welche Verbindung hilft heute bei der Zusammenarbeit? Was wird anders oder verbindlicher angesprochen als vorher?
Nicht jede Wirkung lässt sich sofort in Zahlen ausdrücken. Wer solche Beobachtungen über mehrere Termine hinweg festhält, versteht besser, was gemeinsame Veranstaltungen für die Organisation leisten können.
Ein Abend kann nicht alles leisten
Eine Weihnachtsfeier erzeugt keine Bindung auf Knopfdruck. Identifikation entsteht durch wiederholte Erfahrungen im Alltag. Dazu gehören Anerkennung, Zusammenarbeit, glaubwürdige Führung und die Erfahrung, gesehen zu werden.
Ein gemeinsamer Abend kann ein sichtbarer Teil davon sein. Er kann zeigen, wie ein Unternehmen sich selbst versteht und wie es mit den Menschen umgeht, die es tragen.
Die Entscheidung für oder gegen eine Weihnachtsfeier bleibt deshalb individuell. Wenn Sie sich dafür entscheiden, lohnt es sich, vorher eine Sache zu klären:
Was soll nach diesem Abend möglich sein, das heute noch nicht möglich ist? Was bleibt?
Wenn Sie gerade vor dieser Entscheidung stehen, erzählen Sie mir, was Ihnen dabei wichtig ist. Ich höre gern zu und denke mit.
Sprechen wir darüber:
mail@turner-and-friends.de
+49 (0)221 30196241