SIE HABEN NICHT ZU VIELE EVENTS. SIE HABEN VIELLEICHT DIE FALSCHEN.

SIE HABEN NICHT ZU VIELE EVENTS. SIE HABEN VIELLEICHT DIE FALSCHEN.

Warum die Entscheidung über Häufigkeit und Art echter Begegnung nicht ins Marketing oder die Kommunikation gehört, sondern auf den Schreibtisch der Führung.

Auf „Applaus ist kein KPI“ kam letzte Woche viel Zuspruch und ein Aspekt, der mich seither nicht loslässt. Einige Reaktionen liefen auf denselben Gedanken hinaus: Wenn der Applaus am Montag ohnehin verpufft, sparen wir uns die Events doch gleich, oder machen sie eben virtuell und billiger. Ich verstehe den Impuls. Trotzdem halte ich ihn für den falschen Schluss aus einer eigentlich richtigen Beobachtung.

Der Kategorienfehler

Wer über Events entscheidet, entscheidet meistens über zwei ganz unterschiedliche Dinge gleichzeitig, ohne den Unterschied zu bemerken. Das eine ist die Frage, wie ein einzelner Termin aussieht: Bühne, Ablauf, Botschaft, Fotomotiv. Das andere ist die Frage, wie oft und in welcher Form Menschen im Unternehmen sich überhaupt begegnen. Die erste Frage gehört ins Marketing, in die Kommunikation, zu uns als Dienstleister. Die zweite Frage gehört dahin, wo über Zeitbudget, Kalenderpriorität und Ressourceneinsatz der Führung entschieden wird – also zur Führung selbst.

Genau diese zweite Frage landet in der Praxis trotzdem viel zu oft im Marketing, einfach weil dort das Eventbudget verwaltet wird. Die Folge: Man optimiert weiter am einzelnen Moment, obwohl das eigentliche Problem im Rhythmus liegt. Die Bühne wird größer, statt dass die Wiederholung häufiger wird. Es ist, als würde man ein Fitnessstudio für einen einzigen, spektakulären Trainingstag im Jahr bauen und sich dann wundern, warum niemand in Form bleibt.

So würden wir das anlegen

Ein Patentrezept gibt es dabei nicht, das sage ich unseren Kunden auch so unverblümt. Jedes Unternehmen tickt anders, jedes System hat seine eigene Führungskultur, seine eigene Geschichte, seine eigenen wunden Punkte. Der erste Schritt bei uns ist deshalb nie das fertige Konzept, sondern die gemeinsame Analyse: Wo steht die Organisation gerade, welche Formate gibt es schon, was davon trägt wirklich, was ist nur Gewohnheit? Das passende Format-Portfolio entwickeln wir dann zusammen mit dem Kunden.

Trotzdem zeigt sich, wenn man genau hinschaut, in fast jedem System dasselbe Grundmuster: zwei Ebenen statt eines einzigen Großereignisses. Leif Steinbrinker von FANOMICS nennt das im Fan-Prinzip Dauerhaftigkeit: Bindung entsteht nicht durch den einen großen Moment, sondern dadurch, dass Nähe immer und immer wieder an den relevanten Punkten erlebbar wird (Interview mit Leif Steinbrinker).

Die erste Ebene sind kurze, häufige Formate zwischen den großen Terminen. Ich nenne sie für mich „InTakt“. Sie sollten professionell produziert sein, mit einer klaren, wiedererkennbaren Handschrift. Aber das Ziel dabei ist nicht der Wow-Effekt, sondern die Wirksamkeit. Format-Wiedererkennung schafft Verlässlichkeit. Niemand merkt sich das schönste Intro, wenn hinterher keiner mehr weiß, worüber eigentlich gesprochen wurde. Das kostet wenig, hält die Bindung aber warm, bis der nächste größere Termin kommt.

Die zweite Ebene sind die eigentlichen Präsenzformate: überschaubar in der Größe, etwa 200 bis 400 Menschen, zwei- bis viermal im Jahr. Kein Frontalprogramm, sondern gemeinsames Arbeiten an echten Fragen, mit einem Ergebnis, das der Vorstand am Ende tatsächlich mitnimmt, nicht nur eine Foto-Galerie. Und, das ist mir wichtig: offen für alle. Wer teilnehmen möchte, bewirbt sich. Wer ein Thema hat, bringt es mit. Kein handverlesener Kreis, der sich beim Wiedersehen immer nur selbst bestätigt.

Wertschätzung heißt: Zeit haben

Beide Ebenen zusammen sind, ehrlich gesagt, auch eine Frage der Wertschätzung. Nicht im Sinne von Obstkorb und Lob, sondern im Sinne von: Zeit haben für die eigenen Leute, und zwar sichtbar für alle, nicht nur für die üblichen Verdächtigen. Genau deshalb ist die Portfolio-Entscheidung – wie oft, wie groß, wie offen – keine Frage, die man outsourcen kann. Wir können das Format bauen. Ob die Führung die Zeit dafür freihält und den Raum wirklich öffnet, entscheidet niemand außer die Führung selbst.

Wie sieht Ihr eigenes Format-Portfolio gerade aus? Eher ein großer Knall im Jahr oder mehrere kleinere, wiederkehrende Räume? Ich bin gespannt auf Ihre Einschätzung.

Schreiben Sie uns gerne direkt an mail@turner-and-friends.de oder rufen Sie an unter +49 (0)221 30196241.