SIE STREICHEN DAS EVENT. IHRE MITARBEITENDEN STREICHEN DEN EINSATZ.

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SIE STREICHEN DAS EVENT. IHRE MITARBEITENDEN STREICHEN DEN EINSATZ.

Karl Turner, Inhaber turner & friends, Köln · 29.09.2026

 

Wer jetzt Budgets für Events streicht, spart sichtbar und bezahlt unsichtbar: mit emotionaler Bindung, Fehltagen und Dienst nach Vorschrift.

Letzte Woche hatte ich wieder so ein Telefonat. Ein Geschäftspartner, den ich sehr schätze, erzählte mir, dass die Mitarbeiterveranstaltung gestrichen wurde. Das Kundenevent gleich mit. Der Grund: „Wir müssen sparen. Da führt kein Weg dran vorbei.“

Ich verstehe das. Wirklich. Ich verstehe auch, warum es ausgerechnet diese Posten trifft: Eine Veranstaltung hat eine Rechnung und eine Budgetzeile, die sich mit einem einzigen Strich einsparen lässt. Die Folgen stehen in keiner Tabelle. Sie kommen später, verteilt und leise.

Das Thema hatte ich vor einem Jahr schon hier: Eventbudgets kürzen? Damit schneiden Sie sich ins eigene Fleisch! Erledigt hat es sich offenbar nicht.

Am Wochenende las ich, dass das Uniklinikum Salzburg die Weihnachtsfeier für seine 6.500 Mitarbeitenden absagt. Die Landespolitik hat die Geschäftsführungen angewiesen, jeden Posten zu hinterfragen. Finde ich richtig! Nur heißt hinterfragen eben auch zu fragen, was ein Posten bewirkt. Nicht nur, was er kostet.

Die Rechnung kommt im Februar

Rechnen wir also einmal nach, und zwar mit Zahlen, die nicht aus einem Agenturprospekt stammen.

Laut Gallup Engagement Index kostet ein Fehltag den Arbeitgeber im Schnitt 347,20 Euro. Emotional hoch gebundene Beschäftigte fehlen 5,7 Tage im Jahr, Beschäftigte ohne emotionale Bindung 9,7 Tage. Vier Tage Unterschied, pro Kopf knapp 1.400 Euro. Gallup rechnet selbst hoch: Ein Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitenden würde knapp 1,4 Millionen Euro sparen, wenn es die Fehlzeiten auf das Niveau der hoch Gebundenen brächte.

Zum Vergleich: Eine Weihnachtsfeier kostet laut MICE-Report 2026 im Schnitt 144 Euro pro Person. Ein einziger Fehltag kostet mehr als das Doppelte.

Ich behaupte nicht, dass eine Veranstaltung einen Krankheitstag verhindert. Das wäre unseriös, und Sie würden es mir zu Recht nicht abnehmen. Aber emotionale Bindung entsteht nicht im Intranet oder im Teams-Call. Sie entsteht durch wiederholte Erfahrungen von Relevanz und Zugehörigkeit. Und die machen Menschen nun mal dort, wo sie sich physisch begegnen.

Noch teurer wird es bei der Fluktuation. Von den Beschäftigten ohne emotionale Bindung sind 39 Prozent aktiv auf Jobsuche, bei den hoch Gebundenen nur 3 Prozent. Eine Stelle neu zu besetzen kostet nach Gallup in der Regel ein ganzes Jahresgehalt. Die Ersparnis aus der gestrichenen Mitarbeiterveranstaltung ist also vermutlich spätestens nach der zweiten oder dritten Kündigung aufgebraucht.

Dienst nach Vorschrift ist auch eine Haltung

Das Teuerste an fehlender emotionaler Bindung sind aber nicht die Tage, an denen Menschen fehlen. Es sind die Tage, an denen sie arbeiten.

Laut Gallup Engagement Index 2025 sind 77 Prozent der Beschäftigten in Deutschland nur gering emotional gebunden. Sie erledigen ihre Aufgaben zuverlässig und bringen sich darüber hinaus kaum ein. Eigeninitiative und der Wille, Verantwortung zu übernehmen, sind laut Gallup deutlich schwächer ausgeprägt. Niemand kündigt deshalb gleich. Die Mitarbeitenden streichen nur still ihren persönlichen Einsatz. Da frage ich mich: Wann brauchen Sie Menschen, die mitdenken und Verantwortung übernehmen? Genau dann, wenn Sie über Einsparungen nachdenken. Also in schlechten Zeiten.

Was das kostet, lässt sich sogar beziffern. Gallup hat 2024 in einer Metaanalyse 736 Studien ausgewertet: Teams mit starker emotionaler Bindung sind 14 bis 18 Prozent produktiver, 23 Prozent profitabler und gehen sorgsamer mit dem um, was ihnen anvertraut ist – 32 Prozent weniger Qualitätsmängel, 28 Prozent weniger Schwund, 63 Prozent weniger Arbeitsunfälle. Meine Beobachtung dazu: Wer sich zugehörig fühlt, behandelt Material, Zeit und Budget wie sein eigenes. Wer innerlich auf Abstand ist, bestellt eben noch einmal nach.

In Kliniken ist das keine Randnotiz. Dort lag der Unterschied bei Vorfällen im Bereich Patientensicherheit, etwa Stürzen und Sterblichkeit, bei 58 Prozent. Und wer heute Pflegekräfte verliert, ersetzt sie oft teuer: Zeitarbeitskräfte verursachen je nach Region bis zu 40.000 Euro Mehrkosten pro Vollzeitkraft und Jahr. Da wird die gestrichene Weihnachtsfeier schnell zur teuersten Veranstaltung des Hauses.

Gallup-Studienleiter Marco Nink sagt dazu einen Satz, den ich mir über den Schreibtisch hängen würde: „Geringe emotionale Bindung ist kein Einstellungs-, sondern ein Führungsproblem.“ Wer die Begegnung streicht, streicht also nicht nur ein Event. Er streicht einen der wenigen Orte, an denen Führung spürbar wird.

Nach außen gilt dasselbe: 95 Prozent der Berufstätigen vertrauen einer Marke mehr, wenn sie deren Veranstaltung erlebt haben (Freeman). Ihr Kunde merkt sich nicht, dass Sie gespart haben. Er merkt sich, dass Sie nicht eingeladen haben oder nicht auf der Messe waren.

Streichen Sie den Showact, nicht die Begegnung

Jetzt könnten Sie sagen: Klar, der Eventmensch will keine Kürzungen. Stimmt nicht ganz. Oft haben Sie nicht zu viele Events, sondern die falschen. Die jährliche Leistungsschau mit Vorstandsmonolog und Häppchen darf zum Beispiel gern weg.

Für Ihr Budget heißt das: Sparen Sie an Buffet, Technik-Chichi und Showact. Aber nicht an dem Moment, in dem Ihr Vorstand oder Ihre CEO vor den Leuten steht und Fragen beantwortet, die vorher niemand eingereicht hat. Kleiner, kürzer, näher? Gern. Aber nicht wegstreichen.

Wurde bei Ihrer letzten Sparrunde gefragt, was eine Veranstaltung kostet, oder auch, was ihr Ausfall das System kostet? Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrung. Und wenn Sie gerade genau vor dieser Entscheidung stehen, rechne ich sie gern einmal mit Ihnen durch.

Schreiben Sie mir: mail@turner-and-friends.de oder rufen Sie an: +49 (0)221 30196241.